SV Weil 1910 - SV Waldkirch 2:5

Verbandsliga Südbaden - 13. Spieltag 29.10.2011

SV Weil 1910 - SV Waldkirch 2:5

Im dritten Gang misslingt der Kaltstart

Die siebte Niederlage in Folge, die zweitschlechteste Abwehr der Fußball-Verbandsliga, der Absturz auf den vorletzten Tabellenplatz und der Verlust eines vermeintlichen Sechspunktespiels gegen einen Abstiegskonkurrenten, der auswärts zuvor noch keinen einzigen Punkt geholt hatte – auf den ersten Blick wirkte die 2:5 (1:2)-Heimniederlage gegen den SV Waldkirch so gar nicht wie der Neuanfang, den sich der SV Weil mit Schneider-Nachfolger Mathias Chrobok auf der Trainerbank ersehnt hatte.

Guter Wille, Leidenschaft, Laufbereitschaft und Redefluss waren den Gastgebern vor 245 Zuschauern im Nonnenholz lange Zeit nicht abzusprechen. Und doch wirkte das Spiel des SV Weil so überdreht, als ob ein Autofahrer nach dem Lösen der Handbremse gleich im dritten Gang vom Fleck zu kommen versucht.

Hektik und Hyperaktivität entsprangen dem Vorsatz, die Wende nach dem Trainerwechsel in der Vorwoche mit Macht herbeiführen zu wollen – doch vor dem Tor führt das in den seltensten Fällen zum Erfolg: Allein Daniele Cassetta hätte bei vier klaren Einschussmöglichkeiten (6., 7., 12., 22.) den erfolgsentwöhnten Weilern Ruhe und Selbstvertrauen einflößen können. Doch in der Krise sucht auch er nach seinem Knipser-Vermögen.

So kam es, dass zunächst verschüchterte Waldkircher ohne eine Chance plötzlich mit 1:0 vorne lagen: Die flache Hereingabe von Matthias Bumen prallte von Sascha Bächles Unterschenkel unglücklich ins Weiler Tor ab (10.). "Bis wir unsere erste Chance hatten, hätte Weil schon drei- oder vierzunull führen können", gestand Gästetrainer Frank Papke, der von einem "in der Höhe auf jeden Fall schmeichelhaften Sieg" sprach.

Weil kam zurück, glich durch einen 16-Meter-Hammer des agilen Simon Blaschke zum 1:1 aus (24.). Doch wie simpel die Gäste dann zu ihren nächsten beiden Treffern kamen, trieb Neu-Trainer Mathias Chrobok schon während des Spiels Sorgenfalten auf die Stirn. Beim 1:2 durch Jefferson Barbosa da Cruz (38.) gaben die Weiler fahrlässig das Mittelfeldzentrum preis, beim 1:3 (59.) stand Kopfballtorschütze Patrick Supplie völlig frei im Fünfmeterraum. Dieses Tor, das nach einem fragwürdigen Freistoß für Waldkirch zustande kam, stoppte jäh die Drangphase der Weiler, die durch Patrick Nopper (66., 90.+3) noch zwei geschickt eingefädelte Kontertreffer kassierten.

Drei Problemgebiete dürften Chrobok in den kommenden Wochen Kopfzerbrechen bereiten: Neben der Abschlussschwäche, von der auch ein formverbesserter Spieler wie Imad Kassem-Saad (2:4, 82.) betroffen ist, stimmen der konditionelle Zustand – erneut ging den Weilern in der zweiten Halbzeit die Puste aus – und die Besetzung der Viererkette nicht.

Der Personalnotstand in der Abwehr – vorne ist der wegen seiner Hochzeit fehlende Fabio Bibbo gegen den FC Bad Dürrheim wieder dabei – könnte sich zur größten Schwachstelle ausweiten. Der langfristige Ausfall von Fabian Kluge (Kreuzbandriss, OP-Termin noch offen), Eike Elsasser (nach erneuten Schmerzen wurde ein zweiter Knöchelbruch festgestellt) und Friedrich Braun (Knorpelschaden, Rückkehr ungewiss) sorgte für das x-te Comeback des SVW-Haudegen Thomas Schwarze in der Innenverteidigung. Der 41-jährige Glatzkopf habe nach dem Donnerstagstraining zwar "gepumpt wie ein Maikäfer", glänzte auf dem Feld aber durch unerschrockene Zweikampfhärte und soll bis zur Winterpause die Erste verstärken. "Mit solchen Tugenden habe ich keine Angst", sagte Chrobok, der trotz aller Nackenschläge Zuversicht verbreitete: "Die Moral hat gestimmt. Wenn wir so weitermachen, kommen die Punkte."

Auch das kritische Publikum auf der Haupttribüne gewährte Mannschaft und Trainer Kredit: In der Pause gab es trotz eines 1:2-Rückstands aufmunternden Applaus, Pfiffe blieben bis zum Schluss aus. Und die – trotz allem – positive Stimmung nach Spielende traf Sascha Bächle am besten: "Wir sind auf dem richtigen Weg, weil wir im Spiel nach vorne wieder mehr Freiheiten haben, zu Torchancen kommen und auch mal zocken dürfen." Auf den zweiten Blick schimmert durch Chroboks Kaltstart also durchaus Hoffnung.

Quelle: Badische Zeitung/31.10.2011

Der SV Weil 1910 spielte mit folgender Aufstellung: Walz - Fuhrler (63. Perrone), Bächle, Th. Schwarze, Bürgin - Olveira, Emmerich - Biesinger (39. Wengenmayr), Kassem-Saad, Blaschke - Cassetta

Tore: 0:1 Eigentor Bächle (11.), 1:1 Blaschke (24.), 1:2 Barbosa (38.), 1:3 Supplie (59.), 1:4 Nopper (66.), 2:4 Kassem-Saad (82.), 2:5 Nopper (93.)
Schiedsrichter: Doering (Brigachtal)
Zuschauer: 245
Bes.: Gelb-Rot Bächle (84.)

 

 

Please publish modules in offcanvas position.

Free Joomla! template by L.THEME