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SV Weil 1910 - FC Denzlingen 3:3 PDF Drucken E-Mail

Verbandsliga Südbaden - 18. Spieltag 03.12.2011

SV Weil 1910 - FC Denzlingen 3:3

Kurz vor dem Fall

Der SV Weil führte in der Verbandsliga nach einer Stunde 3:0, und kassiert noch den Ausgleich gegen den FC Denzlingen.

3:0 führt der vom Abstieg bedrohte SV Weil. Doch zu drei Punkten im Kampf um den Klassenerhalt reicht es nicht. Die Denzlinger gleichen in letzter Sekunde aus. Von einem Verein, der die Welt nicht mehr versteht.

Wie konnte das nur passieren? Der sehr enttäuschte Weiler Trainer, Mathias Chrobok war "fast sprachlos", fand zumindest eine Erklärung. "Wir machen zu viele kapitale Fehler." Gian-Luca Di Simone, der den verletzten Keven Hill im Tor ersetzte, musste sich unweigerlich angesprochen fühlen. Der Keeper sah beim Ausgleichstreffer nicht gut aus, als er sein Tor verließ, den weiten Ball nach einem Freistoß der Denzlinger aber nicht erreichen konnte. Sein Gegenüber, Ron Fahlteich, war in dieser letzten Aktion des Spiels mit nach vorne gerückt und am 3:3 beteiligt. Fahlteich stieg zum Kopfballduell hoch und beförderte den Ball in die Richtung von Blanco-Carvalho. Wie schon beim Treffer zum 1:3 fasste der Denzlinger Spielgestalter den Mut zur Direktabnahme. Zum blanken Entsetzen der Einheimischen fand diese den Weg ins Weiler Tor. "Ein Mann seiner Klasse weiß solche Schnitzer eben gekonnt auszunutzen", sagte Chrobok.
Doch zu so einem Spielverlauf hätte es gar nicht kommen müssen. Zwar dominierte der Gast die Anfangsminuten der Begegnung klar. Doch wie so oft sprang für die Heidenreich-Elf nichts Zählbares heraus. "Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison", berichtete der ehemalige Weiler Coach. Der sehr unterhaltsamen, aber auch turbulenten Partie merkte man an, in welcher Situation ihre zwei Hauptteilnehmer derzeit stecken. Denn ebenso wie der SV Weil rangiert auch der FC Denzlingen am Tabellenende. "Heute stand sehr viel auf dem Spiel", stellte Heidenreich fest. Nach eben diesem guten, aber nicht von Erfolg gekröntem Beginn der Denzlinger beschloss auch die Heimmannschaft, am Treiben auf dem Platz teilzunehmen.
Der Weckruf von Chrobok zeigte Wirkung. Angetrieben vom ballsicheren Imad Kassem Saad, der im zentralen Mittelfeld häufig die richtige Entscheidung traf, kamen die Weiler zu nennenswerten Offensivaktionen. Endstation war jedoch meist Fahlteich, der im Denzlinger Kasten einen Sahnetag erwischte. Obwohl der Keeper beim 1:0 von Fabio Bibbo nicht unbeteiligt schien, war der Gegentreffer eher seinem Vordermann anzulasten. Innenverteidiger Simon Schweiger unterschätzte einen langen Ball, Bibbo erkannte die Situation, schob sich am Verteidiger vorbei und spitzelte den Ball über den verdutzten Keeper hinweg ins Tor. Zwei Minuten später hätte der Gast ausgleichen müssen, als Geiger schön frei gespielt wurde und uneigennützig – vorbei an Torhüter Di Simone – auf Blanco-Carvalho passte. Drei Meter vor dem leeren Tor und völlig unbedrängt, ließ er die Möglichkeit sträflich liegen.
Dass sich bei Bibbo häufig Genie und Wahnsinn abwechseln, wurde kurz vor der Halbzeit deutlich: Technisch überragend die Ballmitnahme, doch vor dem Tor manchmal zu verspielt. Fahlteich antizipierte sein leichtsinniges Vorhaben rechtzeitig und machte auch diese Großchance zunichte. Auch in der zweiten Halbzeit ging die FCD-Abwehr im Duell mit Bibbo als zweiter Sieger hervor. Immer wieder setzte er sich durch, um schließlich regelmäßig aus gefährlicher Position zum Abschluss zu kommen. Was in der ein oder anderen Situation fehlte, war die Zielstrebigkeit – oder der Blick für den Nebenmann. Nicht so in der 47. Spielminute, als die mitfiebernden Zuschauer den besten Angriff bewunderten. Der zweikampfstarke Sandro Olveira eroberte mit einem ausgezeichneten Tackling an der Seitenlinie den Ball. Simon Blaschke übernahm das Leder, wartete mit seinem Zuspiel auf Bibbo klug, bis ein FCD-Verteidiger aus der Deckung herausrückte. Sein Pass in die Mitte fand den richtigen Adressat in Daniel Schäuble. Er traf zum 2:0. Fünf Minuten später war es erneut Schäuble, der einen Fauxpas in der Denzlinger Hintermannschaft nutzte. Das 3:0 sollte beruhigend wirken. Tat es aber nicht.
Die Wende des Spiels kam mit einem Eckball. Nach einem missglückten Befreigungsversuch traf Blanco-Carvalho zum Anschlusstreffer. In diesem Moment machte sich das schwache Nervenkostüm der Weiler bemerkbar. Der Gast vergab noch zwei große Chancen, ehe ein Elfmeter die Spannung erhöhte. Der Denzlinger Vladimir Pinos verwandelte sicher. Die Verunsicherung war spürbar, die Angst spielte mit den Gastgebern. Kassem-Saad hätte für Ruhe sorgen können, doch er verschoss einen Strafstoß. Bibbo ließ zum Verdruss des Weiler Anhangs weitere Chancen ungenutzt. Und so kam es, wie es kommen musste. Die Nachspielzeit brach herein, Blanco-Carvalho traf – und der SV Weil lag am Boden.

Quelle: Badische Zeitung vom 05.12.2011

Der SV Weil 1910 spielte mit folgender Aufstellung: Di Simone - Bächle, Braun, Schmidt, Roemgens - Schäuble (90. T. Schwarze), Kassem-Saad, Olveira, Blaschke (70. Kierzek) - Y. Weber, Bibbo

Tore: 1:0 Bibbo (25.), 2:0 Schäuble (48.), 3:0 Schäuble (53.), 3:1 Blanco (58.), 3:2 Pinos FE (72.), 3:3 Blanco (92.)
Schiedsrichter: Mihael Polanec (Gaggenau)
Zuschauer: 220